Natascha Lowitzki – Endometriose – die wandelbare Unerkannte

Interview Natascha Lowitzki

Interviewreihe zur Sommertagung 2026 zum Thema Endometriose

Endometriose – die wandelbare Unerkannte

Im schriftlichen Interview spricht Natascha Lowitzki, Referentin bei unserer Sommertagung 2026, über die oft späte Diagnose von Endometriose, die Belastungen betroffener Patientinnen und notwendige Veränderungen im Gesundheitssystem. Sie erklärt, warum Aufklärung und interdisziplinäre Therapie entscheidend sind – und was ihr trotz langsamer Fortschritte Hoffnung macht.

Warum wird Endometriose so häufig spät erkannt?
Das Hauptsymptom der Endometriose, der starke zyklusabhängige Schmerz, wurde lange Zeit normalisiert und nicht ernst genommen. Zudem ist Endometriose eine Erkrankung, bei der auch viele weitere Symptome auftreten können. Der Krankheitsverlauf ist bei den Patient*innen sehr individuell. Dieses oft unklare Bild kann zusätzlich dazu beitragen, den Zeitraum zur Diagnose zu verlängern.
Eine weitere Hürde zur Diagnose stellte bis 2025 die dazu notwendige Operation dar. Die Diagnostik der Endometriose mittels Bildgebung (Ultraschall, MRT) gewinnt dank der neuen S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose zunehmend an Bedeutung. 

Was erleben Betroffene auf ihrem Weg durch das Gesundheitssystem?
Betroffene werden häufig nicht ernst genommen, mit ihren Symptomen allein gelassen und erleben sich oft als ohnmächtig. Als sehr belastend wird zumeist der Weg zur Diagnose beschrieben. Oft sind Betroffene regelrecht erleichtert, endlich einen Namen für ihr Leiden zu haben. Im weiteren Verlauf wird von vielen besonders der Umgang von Ärzt*innen mit Nebenwirkungen von medikamentösen Therapien, sowie der Mangel an alternativen Behandlungsangeboten als belastend erlebt. 

Was wünschen sich Patient*innen von Therapeut*innen?
Ernst genommen zu werden und das Gefühl zu haben, dass Therapeut*innen wohlwollend an ihrer Seite stehen. Endometriose ist eine chronische, unheilbare Erkrankung. Belastungen durch wiederkehrende Schmerzen, Einschränkungen im täglichen Leben oder ungewollte Kinderlosigkeit können das ganze Leben der Patient*Innen betreffen.

Wie kann Aufklärung konkret verbessert werden?
Alles, was den Glaubenssatz „Menstruationsschmerz ist normal“ aufbricht, hilft. Endometriose sollte zudem als komplexe, chronische und entzündliche Erkrankung verstanden und erklärt werden. Die Ausbildung von Gynäkolog*innen, besonders auch in der Niederlassung, sollte verbessert werden. Hierzu braucht es mehr Fortbildungsangebote. 

Was gibt dir Hoffnung in der Arbeit zu diesem Thema?
Ich beschäftige mich nun seit ein paar Jahren mit Endometriose. Es bewegt sich etwas, aber langsam. Was mich wirklich gefreut hat: Die aktuelle Leitlinie enthält sehr wichtige Empfehlungen hin zur Entwicklung und Umsetzung einer interdisziplinären, multimodalen Therapie der Endometriose. Ich hoffe somit, dass in der Zukunft die Therapie der Endometriose zunehmend der Komplexität der Erkrankung gerecht wird.

Natascha Lowitzki ist Mitarbeiterin bei der Endometriose-Vereinigung & im FMGZ Hannover. Sie vertritt seit November 2021 als Patient*innen-Vertretung die Interessen von Endometriose-Betroffenen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Sie ist Autorin des Buchs Endometriose, Lichen Sclerosus, PCOS und PMDS: Natürliche Hilfen, 2022

Bei der Endometriose-Vereinigung kann zudem sehr viel Infomaterial mehrsprachig und auch in einfacher Sprache bestellt werden.